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Mailverteiler USA 2004 #1

Liebe Reiselustige,

ich melde mich jetzt mit diesem Mail zum ersten Mal aus den USA. Ich kann
berichten, dass sich die Einreise leichter gestaltete, als ich gedacht habe
und die Fragen des Immigration Officers am Boston Logan Airport nicht zur
Kategorie "1 Million" in "Wer wird Millionaer" gehoerte. Auch meine Filme
haben die Sicherheitskontrolle ueberlebt und wurden brav von Hand inspiziert
- aber schliesslich dauert jede Sicherheitskontrolle fuer die USA etwas
laenger, da man Schuhe, Pullover und Guertel auf jeden Fall ausziehen muss
und seine Hosen dann ohne Gurt selbst hinuebertraegt.

Soweit also keine Probleme und das Wetter meint es hier drueben auch gut mit
uns. Hatte in Europa der Herbst eingesetzt, so ist hier offenbar zum ersten
Mal richtig Sommer, wird ueberschreiten problemlos die 30 Grad Celsius
(heute 88F high). Ich bin also froh, in meinem Fahrzeug, das genau denselben
Jahrgang wie ich hat, eine funktionierende Klimaanlage zu haben, was schon
einige staunende Blicke hervorgerufen hat. Tja, Mercedes halt, echte
Wertarbeit...
Die andere Sache mit dem Autokauf fuer die eigentliche Reise (momentan bin
ich bei meiner Familie in Barrington, Rhode Island einquartiert und fuer die
Hochzeit meiner Cousine eingespannt) wird sich hoffentlich bald klaeren, da
gibt es halt noch Buerokratie zu erledigen. Wer sich an Australien
zurueckerinnert wird mit mir hoffen, dass es wohl nicht mehr schlimmer
kommen kann als dort! Kryptische Botschaft an meinen Reisegefaerthen: Jeep
machbar, aber wilde Pferde out of stock...
Warum die Amerikaner so ein Verkehrsproblem haben, scheint mir heute auch
klar geworden zu sein. Es ist wohl doch weniger der angebliche Autowahn, der
jeden dazu veranlasst, seine mit Burger gefuellte Wampe nur schon mit dem
Auto zum Briefkasten fahren zu lassen, als vielmehr die Infrastruktur und
die Disziplin auf der Strasse. Viele Strassen in RI sind einfach nicht
ueberlegt gebaut, es gibt unkoordinierte Ampeln an jeder Ecke, Kreisverkehre
sind voellig unbekannt und die Fahrdisziplin ist auch von Gesetzes wegen auf
geringem Niveau: Es wird gegessen (klar: vom Drive In mitgenommen),
getrunken, geraucht, geschwatzt und telefoniert und klare gefuehrte
Fahrspuren gibt es auch nicht. So kommt halt ein ineffizientes
Verkehrssystem zustande.

Das ware es vorlaeufig mal aus organisatorischer Sicht. Interessantes aus RI
gibt es vor allem in geschichtlicher Hinsicht, denn dieser kleinste Staat
der USA in Neuengland schrieb schon sehr frueh Geschichte - was uns darauf
bringt, was denn ein Yankee ist, oft einfach fuer Europaer eine Bezeichnung
fuer einen Ami. Innerhalb der USA haben dann im Sezessionskrieg die
Konfoederierten die Norstaatler als Yankees bezeichnet, wohingegen die
Nordstaaten nur einen Neuenglaender als Yankee bezeichnen und diese wiederum
nur jemanden, der direkte Verbundenheit zu den alten "Settlers" hat. Mehr
davon im Anhang zu diesem Mail - wer eine kurze Uebersicht ueber die
amerikanische Geschichte will, bekommt dort (ohne Gewaehr) eine kleine
Zusammenfassung. Sie sollte auch ueber meine Homepage verfuegbar sein.

Soweit fuers Erste, es gruesst ueber den Atlantik

Michi

PS: Joe, ich hoff, das hat mit dem Mailverteiler auch fuer Dich noch
geklappt!

PPS: Juerg, ich bin mir bewusst, dass du als Mann vom Geschichts- und
Englischfach gleich doppelt kritisch sein wirst mit dieser
Zusammenfassung...

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