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Mailverteiler USA 2004 #2

Hi folks,

zweite Meldung aus einem sehr bunten und kuriosen Provincetown als
provinzielle Kapitale der Nordspitze von Cape Cod, dem ehemaligen Zentrum
des Kabeljaus, der allerdings wohl so ziemlich weggefischt wurde.

Seit dem letzten Mal hat sich viel ereignet und hier ist jetzt Platz fuer
die entsprechenden Updates:

Die erste Woche, wohlbehuetet sowohl auf dem Hauptsitz als auch im
Beachhouse der Familie Chase, ist hauptsaechlich mit den
Hochzeitsvorbereitungen fuer ein wahrlich perfektes Fest draufgegangen, und
ausserdem natuerlich auch fuer den Research eines passenden Autos.
Vorlauefig kann vermeldet werden, dass diese Suche erfolgreich ausgegangen
ist, auf alle Faelle steht ein amerikanischer Wagen zur Verfuegung, der auch
so ziemlich alle amerikanischen Eigenschaften auf sich vereint: Er ist
gross, laut, durstig und ziemlich mitteilungsfreudig. Was dieses Information
Display so alles zu vermelden hat, ist zwar meistens erstaunlich, nicht aber
immer erfreulich. Es geht ja noch an, dass gemeldet wird, wenn "Doors ajar"
sind, aber "Coolant Level Low" ist schon etwas weniger nett und auch die
Aufforderung "Check Engine" wird mit der Zeit muehsam... klar, dass nicht
jeder Befehl befolgt wird. Das Coolant Level habe ich naemlich aufgefuellt,
mit dem Resultat, dass jetzt der Passagier-Fussraum staendig nass ist, die
Quelle des Uebels konnte noch nicht eruiert werden.
Whatever, wir cruisen jetzt mit einem Jeep Grand Cherokee mit "Power
Everything" umher, lauschen dem V8-Gebrabbel und hoffen, uberall dorthin zu
kommen, wohin es auch gehen soll.

Unser Domizil in Provincetown ist ein ebenso typisch amerikanisches Motel,
die Parkplaetze groesser als das Zimmer dahinter, damit all die riesigen
Trucks auch Unterschlupf finden. Roehrende Klimaanlagen und
Duschenventilatoren gehoeren dann halt einfach dazu, genau so wie die
Oelflecken auf dem Parkplatz. Es gibt jedoch ein Beachvolleyball Feld und
einen Pool, dazu ringsum Ozean und gutes Sommerwetter, was will man mehr?

Gestern haben wir es geschafft, einen Stoppelhopser zu mieten und einen
Rundflug ueber das Cape zu machen, sensationell. Mir wurde es sogar erlaubt,
das Fenster "hochzuklappen", es flattert dann einfach im Wind und erlaubt
es, die Kamera hinauszuhalten und - bei mangelnder Vorsicht - vom Wind
entreissen zu lassen. Ich hab grad nochmal Schwein gehabt. Der Flug selber
war erstaunlich ruhig fuer so eine 4plaetzige Cessna, die ueber Nacht
jeweils angebunden werden muss, damit der Wind sie nicht umwirft. In einigen
hundert Fuss Flughoehe bekommt man die eigenschaften und Charakteristiken
des Cape so richtig gut mit. Die Spitze ab Truro bis Provincetown ist
geologisch sozusagen noch im Baby Alter als postglaziale Erosionsfront, wo
sich der Sand anhaeuft, der waehrend der Eiszeit das eigentliche Cape
gebildet hat. Cape Cod ist also nicht alter als einige Tausend Jahre und die
Spitze selbst staendigen Veraenderungen unterworfen.

Beach und Forest (Beech) Trails weisen einen den Weg durch das Innere des
Capes, mit Relikten von Eishaufen, die kleine Teiche gebildet haben,
ausserdem beschilderte Wanderungen durch die Laubwaelder und Buesche, mit
Buchenhainen (eben Beech), Hochstamm BLueberries, Arrowwood (die sogar
selbstaendig Pfeile am Boden bilden, ich hab das Beweisfoto :-) ) und
natuerlich dem beruehmten Red Maple. Irgendwann muss ich noch zum Syrup
Tasting...

Nachdem wir das Cape also zu Fuss auf dem Land und in der Luft erkundet
haben, blieb heute das Wasser, das wir mit einer vierstuendigen Whale Watch
Tour mit Dolphin Fleets (sehr empfehlenswert, ausgebildete marine biologists
aboard) ausfuehrlich erkundet haben und sehr erfolgreich gewesen sind. Zwei
Humpback Whales mit Namen Eden und Beenie und ausserdem die seltenen Finback
Whales in allen Positionen und von allen Seiten muss als Seltenheit gelten.

Erfolglos ist bisher die Suche nach einem Tauchshop geblieben, um auch die
Unterwasserwelt kennenzulernen, aber auch das wird noch klappen ... Hyannis
soll der Ort dafuer sein, und sonst bleibt immer noch das Centre of
Oceanography in Woods Hall. Danach gehts weiter zu den Berkshires.

 

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