Mailverteiler USA 2004 #5
#5 - Dearborn, die Wolfshoehle und die Weltstadt Toronto
folks,
ein
kunterbuntes Durcheinander habe ich heute zu bieten: Beginnen wir
vor knapp einer Woche in Dearborn, der Weltstadt des Automobiles. Fuer
jeden Autofreak muss dieser Ortsname ja Musik in den Ohren sein, vor
allem, wenn er sich ab und zu mit den Klaengen eines V8 umgibt. Wir
sind also in Detroit resp. der Vorstadt Dearborn angelangt, the home of
the world brand FORD u.v.m. Hier wurde u.a. 1964 der erste von vielen
Millionen legendaeren Mustang vom Band gerollt. Wir wisen noch gar
nicht, wie wir das volle Programm schaffen wollen, denn neben dem Henry
Ford Museum gibt es das riesengrosse IMAX, u.a. auf 3D/Autofilme
spezialisiert, eine Ford Rouge Factory Tour, bei der man zusehen kann,
wie am Band, das der gute alte Henry perfektioniert hat, die Ford
F-150s zusammengebastelt werden. dazu das groesse Drive In Kino der
Region (ein Flugfeld aus Beton mit gelben Pfosten und einer weissen
Leinwand weit, weit hinten). Nicht zu vergessen die Greenfield Village,
ein Freilichtmuseum a la Ballenberg, das die Meilensteine der
technischen Geschichte zum Anfassen nahe bringt, u.a. mit den
Gluehbirnen von Thomas Edison, dem Telefon von Bell, natuerlich vielen
Tin Lizzies zum Herumfahren. Die Detroiter Innenstadt sollte man sich
allerdings nicht zwangslaeufig anschauen, eine tote Stadt abgesehen von
der robotisierten Hochbahn "The People Mover". Vielleicht lags am
Wochenenende, aber die Stadt hinterliess ein sehr flaues Gefuehl.
Noch
schlimmer, lasst Euch das sagen, sind allerdings die Vorstaedte
der Kapitalen, mit alten, grauen Hochhaeusruinen, die einen traurigen
Eindruck hinterlassen bei einem (nicht mal zwangslauefig als sehr gruen
zu bezeichnenden) Europaer. Ein System aus sich immer wieder
kreuzenden, siebenspurigen Highways mit roten und blinkenden Ampeln,
links und rechts davon Betonwuesten verkleidet als Parkplaetze in einer
Dimension, die den Manager des Flugfeldes des Flughafens Zuerich
(sorry, Unique natuerlich) vor Neid erblassen wuerde. Und das vor jedem
Shopping Center, Plaza, Mall oder whatever they may call it!. Nur
schon einen solchen als Fussgaenger ueberqueren zu wollen ist
lebensgefaherlich und jeder Amerikaner wird denjenigen als SPinner
bezeichnen, der es auch nur versuchen will. Man merkt schon, dass wir
eine gewisse Distanz aus New England herausgefahren sind u. sich die
Massstaebe etwas veraendert haben.
Ganz
kontrastreich danach der Grenzuebertritt nach Kanada drei Tage
spaeter. Der Zoellner sitzt gemuetlich im Haeuschen, blaettert durch
unsere Paesse und plaudert mit uns u. wuenscht uns viel Spass in
Kanada. Genauer gesagt in Algonquin Park, einem Naturschutzgebiet von
der Groesse von Wales oder sogar mehr. Wir wohnen in den Wolf Den
Bunkhouses, einer Art Jugendherberge am Highway 60 durch den Park,
alles im Blockhausstil erbaut, mit mehreren Einzelgebaeuden. Die Dusche
ist sensationell, Freiluft. Morgens um 8 muss man nur den Kopf heben,
um leuchtend rote Baeume zu sehen. Die Foliage, die Blattverfaerbung
des Indian Summer, naehert sich dem Hoehepunkt u. eine bessere
Situation als hier unter der Dusche kann man sich kaum vorstellen.
Klar, die Einrichtung ist einfach, das WC ist nicht mehr als vier
rechtwinklig zueinander zusammengestapelte Bretterwaende mit etwas
Badezimmerverkleidung, oder so aehnlich. Vermutlich gibt es das in
einem kanadischen Lumberstore zu kaufen: Badezimmerwandattrappe fuer
BlockhuettenWCs...
Einen
Tag mussten wir natuerlich noch campen, nur schon dem Erlebnis
wegen, auch wenn es Nachts bereits Frost gibt, die Miete der
Ausruestung ungefaehr das dreifache von einem Luxushotelzimmer kostet
u. dann ueber Stunden in den Wald hinausgetragen wird, wo die Baeren
nur auf solche unueberlegten Touristen warten. In Tat und Wahrheit sind
in den letzten 10 Jahren 5 Menschen von Baeren in Algonquin Park
getoetet worden, ohne dass sie selbst eine Dummheit begangen haetten
oder sich falsch verhalten haetten, wie heute (Torono: JA, wir sind den
Baeren entkommen!) im Discovery Channel per Zufall gerade berichtet
wurde. Aber der Blick aus dem Zelt auf den Vollmond am See und die
roten, gelben u. gruenen Baeume ist umwerfend u. ein verkohltes Steak
hat noch nie besser geschmeckt, als wenn es einem selbst in die Glut
gefallen ist.
Der
Kontrast zur Stadt heute koennte also kaum groesser sein. Der Park
ist nur drei STunden von Toronto entfernt, der groessten STadt in
Ontario u. home (u.a.) of the Aaaaarrrgonauts, kurz Argos. Es ist das
heimische American Football Team und wir haben gestern kurz nach
Spielbeginn spottbillig karten bekommen. Der guenstigste Weg, das
beruehmte Sky Dome von innen zu sehen, denn eine Fuerhung ohne Event
auf dem Gruen kostet einiges mehr. Das Spiel ist natuerlich genau auf
amerikanischen Gusto zugeschnitten, viel Zeit zum Konsumieren, waehrend
auf dem Spielfeld referiert und ganze Mannschaften ausgewechselt
werden, u. dann zwei Minuten Action und Geschrei und Feuerwerk, wenn
einer einen Touch Down schafft. Wir sind dann noch gemuetlich der
Hafenpromenade entlang gewandert, hier pulsiert das Leben im Vgl. zu
Detroit noch, wir sind gespannt: Heute haben wir den ganzen Tag Zeit,
um die Stadt zu entdecken.
Soweit fuer diesmal, stay tuned and keep me updated, too!
Gruess,
Michi
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