Project Caribbean 2003

Martinique

7. März bis 16. März 2003

[Fotogalerie] ... [Besteigung Pelée] ... [Ausbruch im Jahre 1902]

Wir werden in einem der verbreiteten "Gites ruraux" in Schoelcher übernachten und haben uns die Möglichkeit offengelassen, per Mietwagen die Insel zu erkunden und zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten vorzudringen, den berüchtigten Vulkan "Mont Pelée" zu ersteigen oder einfach am Strand zu relaxen. Natürlich sollte es auch möglich sein, die Unter- und Überwasserwelt zu erkunden.

la Montagne Pelée in Wolken
versteckte Vulkanstrände auf Martinique
Zuckerrohrfelder für die Rum-Destillation

Von der Besteigung des Vulkanes Mont Pelee, der 1902 in einer der tragischsten Eruptionen die damalige Hauptstadt Saint Pierre bis auf eine einzelne Menschenseele komplett ausgerottet hatte:

Eine Chronologie der Ereignisse
Sonntag, 9. Maerz. Planung der Besteigung des Urberges von Martinique faellt ins Wasser, da wir nach der Fahrt nach Saint Pierre feststellen, dass sich der werte Herr wie so haeufig und schon von Guadeloupe bekannt, in Wolken huellt

Montag, 10. Maerz. Regen in Stroemen am Morgen haelt uns von einem weiteren Versuch ab. Stattdessen planen wir die Erkundung des Nordostens der Insel, was trotzdem eine Fahrt via Saint Pierre bedingt. Dort allerdings das Wunder.
10.15 Uhr. Der Berg kommt das erste Mal in Sicht. Gerade scheint die letzte Wolke zu verschwinden.
10.18 Uhr. Der Berg kommt nach einer Kurve wieder in Sicht. Wolkenlos. Vor uns ein Zementlaster, der im Schrittempo den Stau durch die engen Gassen von Saint Pierre anfuehrt.
10.20 Uhr. Der Stau nimmt apokalyptische Ausmasse an. Ein Blick auf die Karte offenbart irgendwelche Abkuerzungen durch die Hinterhoefe der Stadt, die natuerlich sofort ausprobiert werden muessen. Wir fahren ueber Kopfsteinpflaster, durch Schlagloecher und Vorgaerten. Wer je den Film RONIN gesehen hat und sich an die dortigen Verfolgungsfahrten durch enge Gassen von suedfranzoesischen Doerfern erinnern mag, kann sich unsere Situation sehr gut vorstellen... allerdings wurden wir dann durch die Muellabfuhr gestoppt und mussten zurueck auf die 1-Auto-breite-Hauptstrasse
10.45 Uhr. Parkplatz Aileron, Ausgangspunkt der Wanderungen auf den Gipfel. Eine Wolkenwand weht heran. Unser Weg, der steil ansteigt, ist jedoch noch der prallen Sonne ausgesetzt, was logischerweise literweise Schweissfluss zur Folge hat.
11.15 Uhr. Das erste Steilstueck ist erklommen, die Aussicht ist miserabel. Nebel rundum. Ich entdecke eine Luecke und beschliesse zu warten, wahrend Sabi nach Aufbruch draengt: Warme Muskeln duerfen nicht kalt werden!
11.20 Uhr. Sabrina ist im Nebel verschwunden, die Aussicht auch. Ich harre aus.
11.25 Uhr. Sabrina ist nirgends zu finden. Die Aussicht kehrt fuer ein paar Millisekunden zurueck, die mich motivieren, die Kamerausruestung auszupacken.
11.30 Uhr. Geduld wird belohnt. Ausblick auf das Tal und Ortschaften an der Kueste fuer enige Sekunden. Die Kamera surrt.
11.35 Uhr. Aufstieg auf den ersten Sattel. Wegwahl zwischen links (Kreuz) und rechts (kein Kreuz). Von Sabrina keine Spur, aber andere Passanten moechten eine junge Dame in furiosem Tempo aufsteigen haben sehen... ich waehle den rechten Weg (eben kein Kreuz)... dafuer Sabrina nach einigen hundert Metern...

11.45 Uhr. Abstieg in eine Kraterwand, aehnelt eher der Eigernordwand. Aufstieg gleich auf der anderen Seite der Felswand in derselben Schraege... mit etwas Einfallsreichtum waere es einfacher gewesen, schnell eine Haengebruecke zu spannen.
12.15 Uhr. Erreichen des hoechsten Punktes in der sichbaren Umgebung, sprich im Umkreis von ca. 10 Metern... nein, ein altes, verrostetes Schild moechte uns wohl den kuehnen Aufstieg anerkennen. Es ist saukalt. Ich benoetige meine Mittagsmahlzeit (Bananes jaunes, wobei ich bemerken darf, dass gelbe Bananen nicht das sind, was wir zu Hause kennen... sie schmecken etwas mehr nach Starke und haben eine eigenartige Schale und eine orange Fruchtfarbe) und
versuche in den Nebelschwaden eine Struktur zu erkennen, die es erlaubt, auf bessers Wetter zu hoffen. Da Sabrina nur Turnschuhe und keinerlei warme Sachen dabei hat, draengt sie auf einen schnellen Aufbruch.
12.20 Uhr. Sabrina hat kalt. Ich prophezeie besseres Wetter und nehme immer wieder den kurzen Blick nach oben als Indikator, denn immer wieder sind blaue Flecken in der Wolkenwand zu erkennen.
12.21 Uhr, Sabrina hat kalt. Ich prophezeie besseres Wetter
12.22 Uhr Sabrina hat kalt. Ich prophezeie besseres Wetter
12.23 Uhr Sabrina hat kalt. Ich prophezeie besseres Wetter ....... beliebig fortsetzbar.
So gegen 12.30 Uhr. Sabrina hat noch immer kalt. Ich habe langsam auch kalt, aber da....
12.31 Uhr. Besseres Wetter in Sicht! Gegen Norden war uns ein kurzer Blick auf die Kueste vergoennt. Waehrend fuer mich schon klarer Sonnenschein in meinen Vorstellungen herumgeistert, hat Sabrina kalt und moechte zurueck ins Tal. Ich prophezeihe NOCH besseres Wetter.

12.35 Uhr. Der Himmel reist komplett auf und eine umwerfende Aussicht auf die Vulkanflanken, unseren Ausgangspunkt der Wanderung und die umliegenden Berge sowie die Kueste rundum offenbart sich. Der Standpunkt ist wahrhaft optimal
und das verschiedene Gruen der unterschiedlichen Flanken sowie der umliegende Rest ist wirklich wahnsinn. Sogar Sabrina meint, dass sich fotografische Geduld auszeichnet... (wahrend ich das schreibe, stecke ich Schlaege ein...)
....
genug der Chronologie, der Abstieg ist ausser zitternden Knien wenig
spektakulaer.

Einige Daten zum Mont Pelee

Bis vor den katastropahlen Ausbruch war der Vulkan relativ ruhig und die Hauptstadt von Martinique, Saint Pierre, waehnte sich rel. Ruhig am Fusse des Berges. Sie prosperierte, war kulturelles und wirtschaftliches Zentrum der Insel und beherbergte ca. 30-000 Einwohner. Gegen Anfang Mai kuendigten sich mit Gasaustritten und seismischer Aktivitaet eine Aenderung dieser Situation an, und gegen den 6. Mai 1902 flossen Lavastroeme die Flanken hinunter, transportierten Fluesse ein mehrfaches des normalen Wassers und wurden die Bewohner in Angst und Schrecken versetzt.
Eine Tageszeitung titelt am 7. Mai von einer Panik in Saint Pierre und gibt auf der Frontseite einen Ueberblick ueber das { damals noch recht bescheidene vulkanologische Wissen) und die Massnahmen, die zu ergreifen sind. Der Naturwissenschaftliche Professor des Lyceees ist Augenzeuge von recht dramatischen Veraenderungen der Natur in der naeheren Umgebung, wird aber nur als einzelnes Mitglied in eine Kommission aufgenommen, die hauptsaechlich aus militaerischen Posten besetzt ist und vom Staat eingesetzt wird, um die Vorkommnisse gruendlich zu untersuchen, die DANN dem Publikum zugaenglich gemacht werden sollen... zu spaet, am Morgen des 8. Mai 1902 bricht der Vulkan in einer gigantischen Eruption aus, die ganz Saint Pierre in Asche verwandelt, zahllose Handelsschiffe im Hafen versenkt und die Insel in ein menschliches und wirtschaftliches Drama verwandelt...
Der Vulkan ist seitdem Gegenstand intensiver Forschungen, brach aber seit 1932 nicht mehr aus.

Soviel fuer Euch zum Vulkan, die Insel selber ist mal wieder typisch franzoesisch, allerdings offensichtlich deutlich wohlhabender als Guadeloupe, was man am Baustil, an der Anordnung und Ausschmueckung der Dorfzentren und der
Kleidung und der Fahrzeuge der Bewohner bemerkt. Wir bewohnen einen Gite in Schoelcher, gerade ausserhalb der Hauptstadt Fort de France und haben es dort ruhig und gemuetlich...

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