Die Tuffstein- und Travertinstädte

Die Toskana. Nebellandschaft an einem frühen Novembermorgen.

Bagnoregio, die "sterbende Ortschaft" (links) und Sorano, kleine Tuffsteinstadt (rechts) mit hervorragend erhaltenen Architekturschätzen.

Der Gott Saturn steht in Verbindung mit dem friedlichen und wirtschaftlich guten, goldenen Zeitalter, weshalb die Stadt auch Saturnias Aurinia hiess. Die Bedeutung der Stadt liegt in jedem Fall in ihrer strategisch vorteilhaften Lage auf einem isolierten Travertinhügel inmitten eines offenen, weit geschwungenen Tales. Heute ist Saturnia berühmt für seine Thermalquellen, die sowohl das einfache Volk für ein Bad in den Gorello-Kaskaden als auch die Classe superieure für teure Aufenthalte im Thermalbad anziehen. Dies macht den Ort zum bedeutendsten touristischen Zentrum der Südtoskana. Zugang zur Stadt erhält man durch die Porta Romana, einem Torbogen aus dem Mittelalter, welcher auf einem polygonalem Mauerwerk der Etrusker oder sogar der Pelasger ruht. Durch sie hindurch führt die Via Clodia, eine wichtige Handelsstrasse der Kaiserzeit. Die Mauer besteht aus Travertin, welche grob behauen und ohne Mörtel zusammengefügt wurden. Die ausgeklügelte Baustatik führt dazu, dass das Bauwerk ausserordentlich erdbebensicher ist, was in einem seismisch aktiven Gebiet wie Mittelitalien eine enorme Bedeutung hat. Dies steht im Gegensatz zum Beispiel mit dem tragischen Zwischenfall von Molise und Puglia, als in San Giuliano di Puglia die Schule bei einem relativ starken Erdbeben mit einer Magnitude von Mw=5.7 am 31. Oktober 2002 kurz vor Mittag eingestürzt war und 28 Kindern sowie einem Erwachsenen das Leben kostete

Etwas ausserhalb der Ortschaft finden sich die berühmten Thermen. Die Mineralogie des Wassers ist gesundheitsfördernd bei Erkrankungen von Haut, Atemwegen und Kreislauf und besteht aus Spurenelementen von Kohlenstoff und Schwefel. Das Wasser hat eine angenehme Temperatur von 37.5°C, gespiesen aus den Überresten des aktiven Vulkanismus der Bolsena-Region vor einigen hunderttausend Jahren. Während die Thermalanlage mit allen Annehmlichkeiten bezüglich "Wellness" in jedem Fall kostenpflichtig ist und Pauschalaufenthalten ab mehreren hundert Euro aufwärts beginnen, befindet sich bei der scharfen Kurve der Strasse nach Montemerano der Wasserfall von Gorello, welcher den Besuchern freien Zugang zum Thermalwasser ermöglicht. Über Ausfällungen von ... ergiesst sich das Wasser über mehrere kleine Stufen in angenehm geformte und mit feinem Schlamm aufgefüllte Becken, welche auch schon ein ausnehmend positives Badevergnügen bieten. Schon die Römer nutzten die Quellen übrigens, in Poggio Murella, nur wenige Kilometer von Saturnia entfernt, findet man die gut erhaltenen Überreste eines römischen Castellum Aquarum, welche das Thermalwasser der heissen Quellen sammelte.

Seit der Etruskerzeit war Pitigliano ein wichtiges Zentrum, der Name selbst stammt aber von einem bedeutenden römischen Geschlecht ab.

Von der Aussichtsterasse in Richtung Finestrone erkannt man die Mündung der Lente in den Hauptfluss der Maremma, die Fiora. Kalte und warme Wässer (Thermalquellen) stellen seit langer Zeit eine wichtige Ressource in diesem Gebiet dar. Zu entdecken gibt es diese Themen beispielsweise am Ondini-Waserfall, welcher gut beim Blick nach Norden von der Altstadt nahe dem Palast und der Burg der Grafen Orsini her sichtbar ist. Sie markierte den natürlichen Zugang zur Ortschaft, den es aufgrund seiner Exponiertheit zu verteidigen galt, da sich hier der Tuff-Felsen an die Ebene anschmiegt und leicht zugänglich ist, im Gegensatz zu allen anderen Seiten. Die Strasse, welche heute die neuen Bauten der Stadt mit dem alten Kern verbindet, steht teilweise am Ort des alten Medici-Aquädukts.
Das eigentliche Merkmal der Ortschaft ist jedoch der Baustein: Tuff, ein effusives (vulkanisches) Gestein, welcher von der Basis des Felsen bis hinauf in die Spitzen der Türme und Häuser überall in zwei Varietäten zu finden ist, dem häufiger vertretenen gelben oder dem selteneren rötlichen Tuffstein. Das Wappenschild im Eingangstor von Pitigliano ist jedoch in Travertin gehalten, der ebenfalls in der Nähe (z.B. Saturnia) zu finden ist. Travertin ist ein Schmuckstein für Fassadenverkleidungen und findet sich im Ort an verschiedenen Stellen wieder, unter anderem in den Renaissance-Halbreliefs im Palazzo Orsini.

Zugang zur Civita Bagnoregio.

Kamera Canon Eos 10d
Objektiv Canon 17-40mm 1:4 USM L
Sigma 90mm 1:2.8 Makro 1:1
Standort Bagnoregio, Pitigliano, Saturnia, Sorano, Savona in der Toskana, ca. 100km nördlich-nordwestlich von Rom.

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