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DA Roma 2005
Mailverteiler 1
Liebe Leute,
einige
moegen es vielleicht noch gar nicht wissen und sollen es deshalb jetzt erfahren
:-) Ich werde die naechsten zwei Monate in Rom verbringen und
hier meine Diplomarbeit machen resp. die ersten Schritte dazu. Leider bin ich
nich rechtzeitig dazugekommen, einen Mailverteiler "Roma" einzurichten,
daher verwende ich den alten America04-Verteiler. Wer diese Mails allerdings
nicht moechte, darf sich natuerlich auch gerne melden und austragen lassen...
Roma
ist auf alle Faelle eine citta pazza... Vieles wird gewoehnungsbeduerftig sein,
und das ist in erster Linie einfach der
Menschenauflauf. Jeden Morgen ergiessen sich an einem regulaeren Arbeitstag
(ok, die sind hier offenbar nicht so haeufig regulaer!) aus den
Wohnquartieren und -haeusern die Massen auf die Strassen, um entweder in ihre
verbeulten stinkenden Autos zu steigen (um dem abzuhelfen, bin ich
unter anderem hier), auf eine knatternde Vespa oder ein Motorrad zu steigen
oder dann sich mit zigtausend anderen in die U'Bahn Metropolitana zu
stuerzen. Hier wurde mir schon beigebracht, dass man auf keinen Fallzwischen
die sich schliessenden Tueren geraten sollte, die nicht etwa ueber einen Einklemmsensor
o.ae. verfuegen. Nein, die sind einfach zu und was noch dazwischen klemmt, weil
man zu langsam war oder einfach noch nicht sich
komplett in den ueberfuellten Wagen draengen konnte, wird auch einfach dort
bleiben. Oberirdisch ist es nicht viel besser. Fussgaengerstreifen und Ecken
der Kreuzungen sind zuparkiert, und als Fussgaenger mogelt man sich zwischen
den in der ersten Reihe weit vor der roten Ampel stehenden Toeff-Kolonne,
die sich dann als erstes ueber die Kreuzung draengen wird, sobald von hinten
gehupt wird... Auch den ersten Unfall habe ich hinter mir, als mich die
Wissenschaftlerin des INGV, bei der ich untergekommen bin, mit zum Institut
nahm und wir in einen Auffahrunfall involviert wurden, den niemand gross zu
kuemmern scheint. Man steigt schnell aus und haelt den Verkehr noch mehr auf
(man wird wie eine Insel umfahren), wechselt ein paar "nette" Worte
und
faerht dann unbekuemmert genauso wild weiter wie zuvor.
Das
INGV, Istituto Nazionale di Geofisica e Volcanologia, befindet sich am suedlichen
Stadtrand von Rom in der Via Vigna Murata angenehm abgeschieden
von der Hektik der Innenstadt, der man aber erstmal mit Hilfe der beiden U-Bahnlinien
und dem Bussystem entfliehen muss. Hier arbeite ich mit der
Gruppe der Geomagnetiker zusammen, um mit Hilfe von Blattoberflaechen von Steineichen-Baeumen
(Leccio: Quercus Ilex) die Luftverschmutzung der Stadt
durch (hauptsaechlich) den Verkehr und (nebensaechlich) Heizungen und Industrie
zu messen, kartieren und qualifizieren. Dies vor allem
hinsichtlich der Diskussion um die Partikelfilterpflicht fuer russende Dieselfahrzeuge
im Zuge der neuen EU-Norm zur Feinstaubbelastung
(Particulate Matter PM). Soweit, so gut; die DA erlaubt mir, mich viel als Arbeitszeit
in Rom zu bewegen und dabei die besagten Blaetter von geeigneten
Baeumen (was ist schon geeignet, vieles steht inmitten von Kreuzungen oder Abschrankungen)
zu sammeln. Dementsprechend komische Blicke ziehe ich auf
mich, wenn ich mit Schweizer Sackmesser, Schreibunterlage, INGV-Briefcouverts
und einem GPS bewaffnet an Baeumen herumwerkle. Aber so
become ich viel von der Stadt zu sehen und weiss, wo man hingehen und wo resp.
wann man besser nicht hingehen sollte.
Zum
Beispiel ist es wenig empfehlenswert, den Geheimtipp, am letzten Sonntag im
Monat die Vatikanischen Museum (Eintritt dann frei) zu besuchen, da sich
dieser offenbar schon so weit herumgesprochen hat, dass man schon morgens um
kurz nach halb neun locker die Warteschlange zweimal ums ganze Staatsgebiet
des Vatikans herumwickeln kann. Als Alternative bin ich dann halt dem Papst
auf dem Kopf herumgetrampelt (Kuppel der Basilica San Pietro) und habe mir
live die Sonntagsmesse in der Basilika angehoert. Nichtsdestotrotz trampeln
die Touristen in einer nicht endenden Schlange durch de Kirche und reden,
lachen oder telefonieren. Und wer von dem ganzen heiligen Gedraenge ermuedet
ist, kann gleich auf der Kirche im Zwischengeschoss vor dem Kuppelaufgang
ins Restaurant einkehren… Sehr spannend ist auch an einem Sonntagabend die Strasse
Via del Corso zwischen Piazza Venezia und Piazza del Popolo. Von Autofahren
kann hier keine Rede mehr sein, die Menschenmassen, die sich in der Shoppingmeile
austoben wollen, sich als Tourist verlaufen haben oder schnell eine
Kleinigkeit essen wollen, spuelen wie ein Tsunami um die steckengebliebenen
Fahrzeuge.
Wie
gemuetlich war doch da der Blaettersammel-Ausflug zur Via Appia Antica. Der
am Sonntag verkehrsberuhigte Abschnitt befindet sich zwar immer noch in
der Stadt, doch in einer grossen Gruenflaeche. Keine stinkenden Autos, keine
Menschenmassen, ein gemuetliches Gruen im weichen Licht des Spaetherbstes,
und das bei T-Shirt-Wohlfuehltemperaturen. So ein Nachmittag laesst sich viel
eher geniessen, aus meiner Perspektive jedenfalls. Und selbst hier kann
man Italianita geniessen, mit einem Latte macchiato fuer 1 Euro sich auf alte
Basaltlaven setzen, aus denen der holprige Untergrund der antiken
Roemerstrasse gebaut wurde.
Soviel fuers erste, ich wuensche Euch allen eine gute Zeit.
Liebi Gruess,
Michi
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