DA Roma 2005

Mailverteiler 2

Die Vorhersage von meinem Diplom-Betreuer Leonardo ist ausserordentlich präzise gewesen. Der Oktober bringt meistens und lang anhaltendes schönes Wetter, aber im November kommt oft eine Regenperiode. Voila, ab dem 1. November hat es ein paar Tage ununterbrochen wie aus Kübeln geschüttet, so dass die Metroeingänge unter Wasser standen und man den Regenschirm eher brauchte, um sich vom Spritzwasser von in Pfützen fahrende Autos zu schützen, als vom Regen von oben. Dennoch ist es auf jeden Fall empfehlenswert, die öffentlichen Verkehrsmittel zu benützen, denn die fahren wenigstens, auch wenn man sich gegenseitig hemmungslos auf die Füsse steht und sie immer voll sind. Im Stau geht's manchmal gar nicht weiter, man kann auch locker mal 2 Stunden auf dem Weg zur Arbeit quer durch die Stadt brauchen. Die Preisgestaltung des Abonnements ist auch interessant, denn ein Wochenticket kostet 16 Euro, das Monatsticket 30 Euro... "per i turisti", ist die immerhin sehr ehrliche Antwort des Billettverkäufers. Und nach weniger als zwei Wochen ist das Abo so schon rausgeschlagen, Gedränge in der Metro hin oder her.

Die übervölkerten Plätze wie Piazza San Pietro und alles rund um den Vatikan sowie die Einkaufsmeile Via del Corso habe ich euch ja schon näher gebracht. Nicht viel besser sieht es im Kolosseum aus, das an Wochenenden auch eine riesige Warteschlange aufweist. Hier ist es sinnvoll, sich zuvor das Kombiticket auf dem Palatino zu kaufen, der am frühen Morgen deutlich weniger Menschenauflauf aufweist. Denn dann kann man nachmittags oder wann immer man dann bereit ist für die Riesenruine des Amphitheaters locker an der kurzen Schlange anstehen, welche direkt ins Gebäude gelassen wird, und die gehässigen Blicke derjenigen, die in der grossen Warteschlange vor den Kassen brüten, getrost an sich abprallen lassen. Ach ja, die Sicherheitskontrolle ist auch hier obligatorisch, doch bei mir ging zum Glück auch das Sackmesser (wegen der Baumblätter habe ich das halt immer dabei...) unentdeckt durch: der Kontrolleur am Röntgengerät war gerade am SMS schreiben!
Ähnlich bevölkert ist das Foro Romano. Hier hatte ich grosses Glück, dass ich gerade am Samstag vor der Umstellung auf die Winterzeit den Besuch gemacht habe, so dass noch die langen Öffnungszeiten galten und es möglich war, die warme Abendstimmung in Kombination mit der künstlichen Beleuchtung des Geländes zu erleben. Jetzt schliessen die Tore schon nachmittags um halb vier und es ist Essig mit Abendspaziergängen in 2000jähriger Tradition.

Die findet man aber auch an viel ruhigeren Stellen. Sehr gemütlich sind die Terme di Caracalla, wo man zwar nicht ausgiebig wie einst baden kann. Dennoch ist es eine einladende Grünfläche mit viel Platz, Bänken zum Verweilen und Lesen in inspirierender Atmosphäre mitten in Rom und dennoch abseits all des Trubels. Auch wenn dann plötzlich der grosse Regen einsetzt. Warm ist es aber immer noch geblieben, und selbst bei den heftigsten Unwettern mampfe ich mich durch die verschiedenen Gelaterie, um das beste Eis Roms ausfindig zu machen - oder aber jene Eiskremläden, die gerade irgend eine Promotion haben und deswegen gratis Schokowürfel verteilen. Für die Medienbegeisterten sei Feltrinelli empfohlen, DER Laden der Stadt für Bücher, CDs, DVDs usw. mit einer gemütlichen Bar im Oberstock, so dass man gemütlich am Tisch oder auf dem Hocker blättern kann oder sich (Strichcode einscannen, anhören, fertig) jeden CD-Titel des Sortiments anhören kann.

Mittlerweile hat das Wetter auch wieder ganz gebessert und bis spät in den Abend kann man locker im T-Shirt flanieren und spazieren und degustieren und und und... Ich werde den Rest der Woche intensiv mit der Arbeit im Labor verbringen, wir haben ein paar neue Ideen kreiert, wie wir hoffentlich die Verkehrsverschmutzung noch detaillierter und präziser mit Hilfe der Blätter verfolgen und Überzeugungsarbeit bezüglich Partikelfilterobligatorium bei Dieselfahrzeugen (v.a. Schwerfahrzeugen wie Bussen oder LKWs) leisten können. Brav habe ich mir entsprechend für das kommende Wochenende einen Diesel als Mietauto reserviert, von dem ich ausgehe, dass er mit Filter ausgerüstet ist. Die Idee, ein Motorrad zu mieten, habe ich definitiv verabschiedet, da in den letzten drei Tagen drei Unfälle mit Töffs direkt vor dem Haus, wo ich wohne, von der Polizei aufgenommen wurden, und ich ferner nicht ganz einsehe, dass ich für ein Motorrad für einen Tag mehr an Miete bezahle als für ein Auto für das ganze Wochenende mit unlimitierten Kilometern. So hoffe ich auf gutes Wetter, um eine Entdeckungsreise in Lazio, Toscana und den Abruzzen machen zu können.


Ausserdem freue ich mich auf ein richtiges Bett in einem Hotel, denn während ich zwar super in die kleine aber irgendwie unübersichtliche Familie (bezüglich Verhältnisse...) integriert bin und von Abendessen und dem Hausmädchen (ja, man hält sich hier noch richtig eine Angestellte im Haus, die kocht und putzt und wäscht und bei Fuss läuft wenn man sie ruft!) profitiere, so ist das Zimmer doch sehr übel. Jeder, der hereinkommt, läuft praktisch über mein Bett hinweg (und sei es nachts um drei), und der Lärm vom Treppenhaus ist auch nicht viel geringer, dafür hallt er so schön. Dazu kommen zwei furchtbar mühsame Katzen, die auf deinen Koffer pinkeln (!) und sich in der Nacht nicht entscheiden können, ob sie jetzt ausserhalb oder innerhalb des Katzenraums sein wollen und alle fünf Minuten (rumpel-rumpel) das Katzentürchen öffnen und schliessen. Ach ja, dieses ist etwa 20cm von meinem Kopf weg... Wer sagt denn aber, dass ich zum Schlafen nach Rom gekommen bin...

< >


 

< >