
Studiengang
Erdwissenschaften
Exkursion
Gotthard / Vierwaldstättersee, 15.6.2002
Inhalte:
Tellsplatte
/ Erstfeldergranit / Schöllenen
/ Andermatt / Gotthard
Exkursion
Vierwaldstättersee und Gotthard; 15. Juni 2002
Professor Wilfried Winkler, D-ERDW, ETHZ
1.)
Tellsplatte
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Profil
Seite 3: Schichtverläufe und -grenzen nachvollziehen
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Wir
sehen helvetische Decken, die von Süden her weiter nach Norden
verfrachtet sind, weil sie auf einer inkompetenteren Schicht aufliegen.
Die grosse Mulde der Einheit, die die helvetischen Decken enthält
und wie eine grosse Synform aussieht, nennt man Synklinorium. Diese
sichtbaren Decken (Gitschen- und Axen/Urirotstockdecke) stammen aus
einem Bereich weiter südlich des Aarmassives. Beide sind gleicht
alt, unterscheiden sich aber in der lokalen Stratigraphie, denn sie
durchschneiden verschiedene Stratigraphsiche Altersabfolgen. Die Tauchfalte
der Axendecke zeigt, dass die Drusbergdecke sie überholt hat und
ursprünglich höher und südlicher war als die Axendecke.
Dieses Phänomen nennt man transportierte Deformation, denn man
findet eine umgekehrte Position der Axendecke, als eigentlich zu erwarten
wäre. Die normale Situation des Überschiebungspunktes wäre
ein Ansteigen nach Norden, nicht ein Einfallen.
Die Skizze zeigt die ursprüngliche Situation, während der
die Drusbergdecke langsam die Axendecke überholt (gravitativer
Vorgang), um die Situation in Karte (3) des Exkursionsführers zu
erreichen.

Es zeigt sich, dass die Decken im Süden mächtiger und mergeliger
sind und damit besser geeignet zur Kompression und Verschiebung. Der
Grund, warum im Süden mehr Schichtdicke aufgebaut werden konnte,
liegt darin, dass mehr Platz zur Sedimentation bestand (grösserer
Akkomodationsraum).
Repetition
Strukturformen im Feld:
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2.) Aufschluss Erstfelder Gneis
Diskordanz
von Gneis und darüberliegendem Sediment, das stark komprimiert
wurde und in stark geschieferter Form vorliegt. Man kann eine Altersdifferenz
von 70 Millionen Jahren feststellen. Anhand der P-T-Bedingungen, bei
dem der Gneis gebildet wurde (bei 300°C, das entspricht 10 Kilometern
Tiefe, wenn man von einem Temperaturgradienten von 3°C pro 100m
ausgeht), lässt sich eine Hebungsrate von 10 Kilometern in 70 Millionen
Jahren feststellen. Die Schichtmächtigkeit der darüberliegenden
Sedimente wurde aber nur auf maximal 2000 Meter geschätzt, also
war die Schicht nicht dick genug, um die entsprechenden Druck- und Temperaturbedingungen
zu erzeugen. Also: Zusätzliche Überlagerung der helvetischen
Decken.
Ablagerungsbedingungen der gesehenen Sedimente: Tonschichten, Kalke
und Dolomite: Kalk und Dolomit sind je ein Flachwassersediment, wobei
eine erhöhte Salinität (Meerwasser) die Entstehung des Dolomits
bevorzugt. Dolomit ist Mg,Ca(CO3)2, wobei das Karbonat nicht unter Säurezugabe
braust. Transgression bezeichnet dabei eine Ablagerung von Sedimenten
im Meer über schon bestehenden Schichten.
3.)
Aufschluss Schöllenen
Plutonische
Granite des Aarmassives. Im Vordergrund stehen hier mikroskopische Betrachtungen.
Man erkennt, dass der biotitreiche Granit aus der ursprünglichen
Gesamtschmelze kristallisierte und später von einem jüngeren,
aplitischen Gang durchschlagen wird, der heller und feinkörniger
ist. Der Biotit fehlt fast komplett, denn das Gestein ist erst später
aus der Restschmelze auskristallisiert und daher saurer (SiO2 reicher).
Siehe fraktionierte Kristallisation. z.T. erkennt man auch xenolithische
Einschlüsse im Granitgestein.
Im Schöllenental selber, gegenüber der Bahnlinie, gut sichtbar
ist die Klüftung parallel und auch senkrecht zum Hang: Beim Emporheben
und bei der Exhumierung des Gesteins findet eine grosse Druckentlastung
statt und es bilden sich Spalten und Klüfte senkrecht zu dieser
Entlastung aus.
4.)
Aufschluss im Steinbruch Andermatt / Hospental
Marmorsteinbruch:
Glimmer und CaCO3-reicher Marmor, der unter Säureeinwirkung stark
braust. Das Ausgangsgestein bestand aus verschiedenen Zusammensetzungen:
a) Kalksedimente
b) Tone (Glimmerführend)
à Mergel aus 50-50 %
Im Gebiet der Urserenzone finden sich allgemein steilstehende Marmore,
die ehemals einer starken Druckinduktion ausgesetzt waren (Schierferung).
Gegen den Südhang finden sich Evaporite, v.a. Gips und metamorphe
Sandsteine, also Paragneise. Zur Entstehung der Evaporite: Ausschlaggebend
war die starke Verdunstung von Wasser im Monsunklima der Trias.
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Angewandte
Geologie im Hospental: Es bestand ein relativ weit fortgeschrittenes
Projekt für eine Staumauer der Schöllenen, die das Hospental
geflutet hätte. Das Problem liegt aber in der tiefen glazialen
Sedimentauffüllung im Tal rund um Andermatt. Der Druck des Sees
hätte Wasser in den Gotthardtunnel eindringen lassen, der nur 35m
unterhalb der Füllungen zu liegen kommt.
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5.)
Gotthard - Passhöhe
Augengneise
(Fibbia-Granitgneis) mit Glimmeransammlungen (Serizit) und einer gut
sichtbaren Ausrichtung der Schieferung. Evtl. finden sich auch Teile
von "grünem" Biotit (eisenarm)
Weiter runter entlang der Tremola findet sich der Rotondogranit: Er
ist homogener, massiver und enthält weder Augen noch Schieferung,
in der sich die Mineralien einlagern konnten. Radiale Risse und Klüfte
im anstehenden Gestein direkt an der Strasse zeugen von anthropogenen
Einflüssen (Sprengung für den Strassenbau). Der im Gestein
enthaltene Zirkon erlaubt die Altersbestimmung aufgrund der Mutter-/Tochterzerfälle
von Uran/Blei.
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Dann:
an der Strassenbiegung findet man eine lithologisch klar umrissene Grenze
zwischen dem Gotthardgranit und dem Paragneis. Dieser bunte, dunkle
Paragneis entstand aus Tonen und etwas gröberen Sedimenten und
enthält ebenfalls Zirkon, so dass eine Altersdatierung auf 1 Milliarde
Jahre vrogenommen wurde. Dieser Paragneis stellt somit das älteste
offen in der Schweiz sichtbare Gestein dar!
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6.)
Val Tremola - Gotthard Südseite oberhalb Airolo
Gneiss,
Granat und Hornblende führend. Sehr grosse Kristalle von Almandin
und schöne Hornblende-Stengel.
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