1)
Besuch der Alpe Arami, 11 Uhr, rechte Talseite oberhalb Gorduno,
TI
Ziel: Überblick über die Zentral- und Südalpen,
Einführung ins Feld
Am
Anfang herrschten immer wiederkehrende Zyklen von Plattentektonik,
so dass schon mehrfach Orogenese und Erosion stattgefunden hatten
à Grundgebirge
Vor 200 Ma: plutonische Intrusionen, Magma. Danach Kontinentaldrift
und das Auseinanderbrechen des Grosskontinenten, was Abschiebungen
zur Folge hatte, Mantelgesteine schwellen auf und Aufschmelzung
findet bei 1300 bis 1350°C statt: Sehr weiche Mantelgesteine
Konsequenz: Bewegung der Lithosphäre auf der weicheren, teilweise
aufgeschmolzenen Asthenosphäre. Geschmolzene, heisse Gesteine
treten durch die Steckung an die Oberfläche (= Mittelozeanische
Rücken). Tethys Meer im Norden, Piemontischer Ozean im Süden,
d.h. es existierten eigentlich zwei Ozeane mit einem kleinen Riff
dazwischen (Walliser Trog).
Später schloss sich der Ozean wieder. Eine Subduktionszone
mit Plattenkollision und Auffaltung entstand (südgerichtet).
Verfaltung der Kontinente, wobei die nördliche Platte subduziert
wurde. Als dann die eigentlichen kontinentalen Massen aufeinanderprallten,
die dieselbe Dichte aufweisen, musste zwangsläufig Orogenese
einsetzen, da die leichteren Gesteine nicht subduziert werden können.
Die Folge sind Überschiebungen oder Falten (wenn noch genügend
duktil). Von unten nach oben entspricht den Überschiebungen
von Norden nach Süden und von jung nach alt (südlichstes
ist höchstes, ältestes).
Im Süden sind die Stapel am tiefsten vorgedrungen, Druck und
Temperatur (P+T) waren am Grössten, darum fand eine starke
Metamorphose und Umkristallisation statt.
Im
Südtessin fand kaum Metamorphose während dem jüngeren
Gebirgszyklus statt; darum findet man die stärkste Metamorphose
nördlich der Insubrischen Störung auf der Alpe Arami mit
Gesteinen im Alter von 25 - 35 Ma.
Das Tal direkt nördlich der Insubrischen Störung ist die
Magadinoebene mit Bellinzona im Vordergrund. Der grün bewachsene
Berg gleich dahinter ist noch diesseits der Störung, während
das Quertal auf der Störung (Ost-West) und die beschneiten
Berge schon dahinter liegen.
Nördlich der Insubrischen Störung finden wir eine Steilstellung
der Schichten bis hin zum Piz Claro, wo sie abflachen.
Gneise
entstammen der kontinentalen Kruste, sind sehr hell und enthalten
kaum Fe, Mg, dafür viel Quarz und Feldspäte. Basalte und
Metabasalte stammen von der ozeanischen Kruste und aus grosser Tiefe,
daher mafisch und dunkel: Hoher Mg und Fe Gehalt.

Aufschluss
1: Alpe Arami, verfalteter Gneis.

Aufschluss
2: Alpe Arami, Falte in Gneis mit Disthen
Strukturgeologie:
Verkürzung durch Druck resultiert in Falten, gute Beispiele
sind hier sichtbar. Anhand der kleinen Asymmetrien der Falten kann
auf die grosse Struktur geschlossen werden. Die Achsenebene läuft
immer durch die Faltenscharniere, also verbindet die Punkte mit
kleinstem Krümmungsradius.

Aufschluss
2: Alpe Arami, verfalteter Gneis mit einem Pegmatitgang (hell,
grobkörnige Quarz-Feldspat-Ader)
2)
Mantelgesteine auf der Alpe Arami
Der
Granatperidotit ist ein Ultramafitit, hauptsächlich Olivin
vorherrschend. Darin eingeschlossen schöne Kristalle der Granatgruppe,
hier blutrot: Pyrop (Mg''3Al'''2[SiO4)3
Die ganze Peridotitgruppe der Alpe Arami ist relativ widerstandsfähig
gegenüber Deformation. Daher am Rand stärker geschiefert
mit oxidierter Form (Chlorit, retrograde Metamorph.) gegenüber
dem isoformen Granatperidotit in der Mitte des Aufschlusses. Der
Granatperidotit entspricht der Eglokitfazies.
Der Eklogit ist ein hoch metamorphes Gestein, das unter hohem Druck
gebildet wird, sichtbar am Vorhandensein von Omphazit (grün),
dazu heller Granat (oxidiert à eisenhaltiger Almandin). Eklogitfazies
gehören zu den Metabasika unter hohem Druck & Temp. und
haben Basalt als Ausgangsmaterial

3)
Der Steinruch von Castione: Tessiner Marmor
Nachmittags:
Besuch des Steinbruchs von Castione im Tal. Marmor mit hohem Karbonatanteil
kann hier in steil einfallenden Flanken gefunden werden, da wir
der Insubrischen Störung näher sind als z.B. am Piz Claro,
wo die Schichten schon fast horizontal liegen. Der Tessiner Marmor
enthält Calcit (HCl-Probe: Braust zu CO2), Diopsid (CaX, CO2
ist schon wegreagiert), dunklen Glimmer (Biotit), Amphibol (hart,
schwarz, Stängelig) und relativ viel Quarz. Zum Teil findet
sich der calciumhaltige Granat: Grossular. Im Steinbruch gibt es
zwei verschiedene Aufschlüsse, schwarzer und weisser (fast
reiner Calcit) Marmor.

Aufschluss
3: Weisser Marmor; Steinbruch von Castione
4) Verzasca-Staumauer
Abends:
Die bekannte, grosse Staumauer im Valle Verzasca, erbaut in den
60er Jahren (ca. 1962). Der Bau eines Staudamms ist immer eine grosse
Verantwortung für Geologen, v.a. da die aktive Tektonik der
Alpen berücksichtigt werden muss. Ausserdem liegen alle betroffenen
Seitentäler hier direkt auf einer Störungszone - die Füllung
des Stausees löste selber Erdbeben der Magnitude 3 aus durch
die Masse des Wassers, das dann als Fluid wirkte und bestehende
Spannungen ruckartig löste.
Am
Rand des Stausees können spitze Falten mit fast senkrechter
Faltenachse (~Isoklinalen) beobachtet werden. Ausserdem findet sich
am Fuss des Staudamms eine Bruchfläche: Sichtbar ist eine linkssinnige
Verwerfung um ca. 10 Meter, sichtbar durch die unterbrochene Verbindung
der Faltenachsen. Es ist zu vermuten, dass die Störung noch
immer aktiv ist.