Studiengang Erdwissenschaften

Exkursion Valle Verzasca / TI, 27./28. April 2002

Teil 2

 

5) 2. Tag: Oberhalb Brione

Zu finden sind in den Aufschlüssen des Flusses Paragneise, Orthogneise, Sedimente und plutonische Intrusionen. Gegenüber dem Steinbruch von Castione und dem Staudamm talabwärts sind die Schichten hier schon viel flacher, da weiter entfernt von der insubrischen Linie. Weiter befinden wir uns noch immer im Einzug der Störung mit einer dextralen Verschiebung, die unterschiedliche Metamorphosegrade beidseits zeigt: Nördlich bis in 25 km Tiefe, südlich davon nur 7 km Tiefe (vertikaler Versatz).

Bisher haben wir nur ein Nord-Süd-Profil beachtet, aber auch von Ost nach West zeigen sich Antifromen mit flacher Ebene in der Leventina. Ursprünglich lag das Oberste im Westen am Weitesten im Süden (siehe Skizzen). Dabei sind Isograde (entsprechen der metamorphen Reaktion) immer jünger als die Decken, die sie schneiden.

Professor Mancktelow und Professor Schmid am 2. Tag im Valle Verzasca

Faltung: Im Bachbett finden sich symptomatisch kleine parasitäre Falten, innerhalb des Wasser findet die Umbiegung statt (M-Falten). Am rechten Ufer Z-Falten, links davon S-Falten. Von der kleinen parasitären Struktur lässt sich auf das Grosse schliessen: Faltenzüge.

Gut beobachten lassen sich auch zahlreiche Quarzgänge: Die gefalteten sind alt, diejenigen, die alle Schichten durchschlagen, sind jünger. Dazu finden sich bei genauem Hinsehen Chlorit-Fällungen an den Rändern dieser Gänge: Zeugnisse von Fluid-Transporten, die dann überschüssige Mineralien auskristallisieren liessen (jünger als die Gesteine selber!)

6) Lavertezzo Aufschluss (Flusslauf)

Othogneis (aus Granit durch Metamorphose) und Paragneis (aus Sedimenten) finden sich direkt nebeneinander, mit einer klar abgegrenzten Kontaktlinie. Der Orthogneis kann durch seine helle Farbe und die regelmässige Struktur vom Paragneis unterschieden werden, der dunkler ist, z.t. rötlich-oxidiert und eine sedimentäre Bänderung zeigt. Flussabwärts geschaut, erkennt man rechts den Paragneis und links den Orthogneis.
Es finden sich doppelte Verfaltungen: Faltenachsen, die normalerweise senkrecht übereinander stehen sollten, sind auch mitverfaltet worden. In den Rissen, die durch Extension entstanden, wurde Platz geschaffen für Fluide, die neue Mineralien auskristallisieren konnten. Andere Gangintrusionen schneiden die Schieferung senkrecht.

Relative Altersbestimmung von Gängen:
- gegenseitiges Schneiden: Das Geschnittene ist älter als das Schneidende
- Brüche, Versetzungen geben Auskunft über unterbrochene Strukturen
- Randbedingungen: Ein Gang mit einem ausgefransten, kurvigen Rand deutet auf Druck- und Temperaturbedingungen hin, die das Gestein noch duktil verhalten liessen. Im Gegensatz dazu ist jüngeres Gestein, das schon spröde war, klar abgegrenzt.
- Grenze von Para-/Orthogneis: Der Gang kann sich durch den Schichtwechsel nicht einheitlich durschlagen, sondern geht fliessend über. Es handelt sich um keinen Bruch !
- Boudains: Während dem Eindringen der Intrusion war das Gestein (grobkörnig = Pegmatit) noch duktil und wurde bei der Extension auseinandergezogen ("es boudinierte")

Beschreibung der Handstücke:

Disthen-Gneis

Heller Gneis, stark gefaltete Schieferung mit Biotit und Feldspäten. Orthogneis, also kein ehemaliges Sedimentgestein sondern aus Granit hervorgegangen. Schöne, blaue, stängelige Disthen-Kristalle.

Fundort: Alpe Arami, rechte Talseite oberhalb Gorduno, Bedretto, TI
27.4.2002

Biotit

Dunkelglimmer, Teile aus dem Tessiner Gneis. Gehört zur Kristallgruppe der Schichtsilikate und ist in einer Ebene sehr blättrig.
K(Mg,Fe'')3[(Al,Fe''')Si3O10](OH)2

Fundort: Alpe Arami, rechte Talseite oberhalb Gorduno, Bedretto, TI
27.4.2002

Granatperidotit

Ultramafitit, hauptsächlich Olivin vorherrschend. Darin eingeschlossen schöne Kristalle der Granatgruppe, hier blutrot: Pyrop (Mg''3Al'''2[SiO4)3
Die ganze Peridotitgruppe der Alpe Arami ist relativ widerstandsfähig gegenüber Deformation. Daher am Rand stärker geschiefert mit oxidierter Form (Chlorit, retrograde Metamorph.) gegenüber dem isoformen Granatperidotit in der Mitte des Aufschlusses.

Fundort: Alpe Arami, rechte Talseite oberhalb Gorduno, Bedretto, TI 27.4.2002


Eklogit

Hoch metamorphes Gestein, das unter hohem Druck gebildet wird, sichtbar am Vorhandensein von Omphazit (grün), dazu heller Granat (oxidiert à eisenhaltiger Almandin). Eklogitfazies gehören zu den Metabasika unter hohem Druck & Temp. und haben Basalt als Ausgangsmaterial


Fundort: Alpe Arami, rechte Talseite oberhalb Gorduno, Bedretto, TI 27.4.2002


Marmor

Unterscheidung zwischen schwarzem Marmor mit dunklem Glimmer = Biotit und schwarzen, stängeligen Amphibolen, dazu Quarz und calciumhaltiger Granat: Grossular und weissem Marmor, der relativ reinen Calcit darstellt.


Fundort: Steinbruch von Castione, TI
27.4.2002


Chlorit-Fällung in Gneis

Orthogneis (aus granitischer Zusammensetzung entstanden im Ggs. Zu Paragneis) wurde deformiert und brach schliesslich unter Druck. Fluide, die in die Ritzen transportiert wurden, konnten Minerale ausfällen, in diesem Fall Chlorit. Die Fällung ist immr älter als das Gestein selber.


Fundort: Valle Verzasca, TI, 28.4.2002

 

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letzte Aktualisierung: März 23, 2003

 

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