5)
2. Tag: Oberhalb Brione
Zu
finden sind in den Aufschlüssen des Flusses Paragneise, Orthogneise,
Sedimente und plutonische Intrusionen. Gegenüber dem Steinbruch
von Castione und dem Staudamm talabwärts sind die Schichten
hier schon viel flacher, da weiter entfernt von der insubrischen
Linie. Weiter befinden wir uns noch immer im Einzug der Störung
mit einer dextralen Verschiebung, die unterschiedliche Metamorphosegrade
beidseits zeigt: Nördlich bis in 25 km Tiefe, südlich
davon nur 7 km Tiefe (vertikaler Versatz).
Bisher
haben wir nur ein Nord-Süd-Profil beachtet, aber auch von Ost
nach West zeigen sich Antifromen mit flacher Ebene in der Leventina.
Ursprünglich lag das Oberste im Westen am Weitesten im Süden
(siehe Skizzen). Dabei sind Isograde (entsprechen der metamorphen
Reaktion) immer jünger als die Decken, die sie schneiden.

Professor
Mancktelow und Professor Schmid am 2. Tag im Valle Verzasca


Faltung:
Im Bachbett finden sich symptomatisch kleine parasitäre Falten,
innerhalb des Wasser findet die Umbiegung statt (M-Falten). Am rechten
Ufer Z-Falten, links davon S-Falten. Von der kleinen parasitären
Struktur lässt sich auf das Grosse schliessen: Faltenzüge.
Gut
beobachten lassen sich auch zahlreiche Quarzgänge:
Die gefalteten sind alt, diejenigen, die alle Schichten durchschlagen,
sind jünger. Dazu finden sich bei genauem Hinsehen Chlorit-Fällungen
an den Rändern dieser Gänge: Zeugnisse von Fluid-Transporten,
die dann überschüssige Mineralien auskristallisieren liessen
(jünger als die Gesteine selber!)
6)
Lavertezzo Aufschluss (Flusslauf)
Othogneis
(aus Granit durch Metamorphose) und Paragneis (aus Sedimenten) finden
sich direkt nebeneinander, mit einer klar abgegrenzten Kontaktlinie.
Der Orthogneis kann durch seine helle Farbe und die regelmässige
Struktur vom Paragneis unterschieden werden, der dunkler ist, z.t.
rötlich-oxidiert und eine sedimentäre Bänderung zeigt.
Flussabwärts geschaut, erkennt man rechts den Paragneis und
links den Orthogneis.
Es finden sich doppelte Verfaltungen: Faltenachsen, die normalerweise
senkrecht übereinander stehen sollten, sind auch mitverfaltet
worden. In den Rissen, die durch Extension entstanden, wurde Platz
geschaffen für Fluide, die neue Mineralien auskristallisieren
konnten. Andere Gangintrusionen schneiden die Schieferung senkrecht.
Relative
Altersbestimmung von Gängen:
- gegenseitiges Schneiden: Das Geschnittene ist älter als das
Schneidende
- Brüche, Versetzungen geben Auskunft über unterbrochene
Strukturen
- Randbedingungen: Ein Gang mit einem ausgefransten, kurvigen Rand
deutet auf Druck- und Temperaturbedingungen hin, die das Gestein
noch duktil verhalten liessen. Im Gegensatz dazu ist jüngeres
Gestein, das schon spröde war, klar abgegrenzt.
- Grenze von Para-/Orthogneis: Der Gang kann sich durch den Schichtwechsel
nicht einheitlich durschlagen, sondern geht fliessend über.
Es handelt sich um keinen Bruch !
- Boudains: Während dem Eindringen der Intrusion war das Gestein
(grobkörnig = Pegmatit) noch duktil und wurde bei der Extension
auseinandergezogen ("es boudinierte")
Beschreibung
der Handstücke:
Disthen-Gneis
Heller
Gneis, stark gefaltete Schieferung mit Biotit und Feldspäten.
Orthogneis, also kein ehemaliges Sedimentgestein sondern aus Granit
hervorgegangen. Schöne, blaue, stängelige Disthen-Kristalle.
Fundort:
Alpe Arami, rechte Talseite oberhalb Gorduno, Bedretto, TI
27.4.2002
Biotit
Dunkelglimmer,
Teile aus dem Tessiner Gneis. Gehört zur Kristallgruppe der
Schichtsilikate und ist in einer Ebene sehr blättrig.
K(Mg,Fe'')3[(Al,Fe''')Si3O10](OH)2
Fundort:
Alpe Arami, rechte Talseite oberhalb Gorduno, Bedretto, TI
27.4.2002
Granatperidotit
Ultramafitit,
hauptsächlich Olivin vorherrschend. Darin eingeschlossen
schöne Kristalle der Granatgruppe, hier blutrot: Pyrop (Mg''3Al'''2[SiO4)3
Die ganze Peridotitgruppe der Alpe Arami ist relativ widerstandsfähig
gegenüber Deformation. Daher am Rand stärker geschiefert
mit oxidierter Form (Chlorit, retrograde Metamorph.) gegenüber
dem isoformen Granatperidotit in der Mitte des Aufschlusses.
Fundort:
Alpe Arami, rechte Talseite oberhalb Gorduno, Bedretto, TI 27.4.2002
Eklogit
Hoch
metamorphes Gestein, das unter hohem Druck gebildet wird, sichtbar
am Vorhandensein von Omphazit (grün), dazu heller Granat
(oxidiert à eisenhaltiger Almandin). Eklogitfazies gehören
zu den Metabasika unter hohem Druck & Temp. und haben Basalt
als Ausgangsmaterial
Fundort: Alpe Arami, rechte Talseite oberhalb Gorduno, Bedretto,
TI 27.4.2002
Marmor
Unterscheidung
zwischen schwarzem Marmor mit dunklem Glimmer = Biotit und schwarzen,
stängeligen Amphibolen, dazu Quarz und calciumhaltiger Granat:
Grossular und weissem Marmor, der relativ reinen Calcit darstellt.
Fundort: Steinbruch von Castione, TI
27.4.2002
Chlorit-Fällung in Gneis
Orthogneis
(aus granitischer Zusammensetzung entstanden im Ggs. Zu Paragneis)
wurde deformiert und brach schliesslich unter Druck. Fluide, die
in die Ritzen transportiert wurden, konnten Minerale ausfällen,
in diesem Fall Chlorit. Die Fällung ist immr älter als
das Gestein selber.
Fundort: Valle Verzasca, TI, 28.4.2002